Duell der Nachbarn mit furiosem Finale Drucken
1.Mannschaft
Geschrieben von: Andreas Jahnecke   
Montag, den 30. September 2019 um 12:02 Uhr

Siegtor in Nachspielzeit – Lorenz mit Traumtor – Waite und Nübel mit gleichem Patzer

Spielbericht

Es war Minute Nummer 4 der Nachspielzeit als nach einem hoch und mittig in den Strafraum gespielten Freistoß der eingewechselte Arnold Schunke und FCM – Hüter Lukas Wurster zum Ball gingen, Schunke zum richtigen Zeitpunkt hochstieg und per Kopf über die Fäuste von Wurster den Ball in Richtung des verwaisten Tores beförderte und dieser letztlich zum vielumjubelten 3:2 seine bogige Flugbahn beendete (90.+4).

In den Minuten zuvor sahen die leider nur 102 Augenzeugen, da lockten dann wohl doch wie befürchtet die fußballerischen TV – Angebote des Nachmittags Braunschweig – Halle, Leipzig – Schalke, sowie das traditionelle Salzfest doch um Einiges mehr, ein intensives Nachbarduell zwischen dem VfL Halle 1896 und dem neugegründeten 1.FC Merseburg. Der kam ja bekanntlich als Aufsteiger und Tabellenzweiter zur Premiere in das „HWG – Stadion am Zoo“. Die erste Aktion des Spiels hatte der 96er Linus Lorenz. Aus etwa 40 Metern Torentfernung kommt die Kugel von Lorenz gespielt hoch auf den 2. Pfosten wo Wurster dann nicht so ganz sicher wirkt, jedoch schnell den Gegenzug einleitet. Diesen beendet 96 – Schnapper Nicolas Waite mit Ballaufnahme nach Kopfball durch Ricky Bornschein (12.). Kurz danach steht wiederum Lorenz im Fokus des Geschehens als der Bayer über links in den 16er eindringt, zu Fall gebracht wird und Spielleiter Christian Schlömann (Stollberg/Erzgeb.) ohne Zögern auf den Punkt zeigt (15.). Giorgaki Tsipi lässt mit scharfer Ausführung des Strafstoßes Wurster keine Chance, 1:0 (16.). Wiederum nur wenige Minuten später säbelt Julius König in der Box über den Ball und der hinter ihm stehende Vincent Dabel ist so überrascht, dass er das Spielgerät aus Nahdistanz über das Tor befördert (19.). Mit einem Direktversuch aus gut 18 Metern Torentfernung scheitert Tsipi ebenso knapp wie dann vor dem 96 – Tor Danny Wagner, welcher die Kugel am 2. Pfosten flach vorbei platziert (22., 26.). Sekunden später wird Wagner im Strafraum mit Rücken zum hinter ihm stehenden Gino Böhne angespielt, dreht sich um den Innendecker der 96er, kommt zu Fall und zur Überraschung der Tribüne entscheidet Schieri Schlömann auch hier auf Strafstoß (27.). „Ein leichter Körperkontakt war schon da. Ob man das aber Pfeifen muss?“, gab Böhne nach Spielschluss gegenüber vflhalle96.de an. Nachdem einiges an Diskussionsbedarf abgearbeitet war trat Kay Seidemann zu Ausführung an und traf ähnlich wie zuvor Tsipi, zum 1:1 (30.). Danach kamen für Merseburg noch Kudyba und Bornschein zu Abschlüssen, welche jedoch über das Tor segelten oder durch Waite pariert werden konnten (33., 38.). Die Blau – Roten ihrerseits sorgten im Gästestrafraum nochmals für Unruhe, als Tsipi einen Eckstoß direkt auf das Tor zog und Wurster gerade noch so abwehren konnte (39.). Kurz vor der Halbzeitpause war es dann nochmals Kudyba welcher zu Abschlüssen kam, diese jedoch nichts Zählbares einbrachten (44., 45.+2) und es somit mit einem 1:1 – Remis in die Pause ging.

Aus dieser kam der Gast etwas forscher und hatte nun auch den stärker werdenden Wind im Rücken. Dieser war aber nicht verantwortlich das Waite einen Eckstoß unterläuft, was jedoch ohne Folgen blieb (48.). Folgenschwer dagegen der Patzer nach einem Freistoß durch Wagner. Einen Freistoß aus gut und gern 40 Metern, linke Außenbahn, spielt Wagner halbhoch auf den 2. Pfosten in das von Waite besetzte Eck. Den wahrscheinlich flatternden Ball will Waite sicherheitshalber Fausten, wobei ihm der Ball über die Fäuste rutscht und zum 1:2 einschlägt (59.). Für den untröstlichen Waite gab es gleich danach jedoch aufmunternde Worte und Gesten, was für den Charakter der und die derzeitige Stimmung in der Mannschaft spricht. Und wie es dann manchmal so ist gibt es gleich das Beispiel, dass solche Dinge auch ganz Anderen passieren. So knappe 40 Kilometer weg und 45 Minuten später passiert einem gewissen Alexander Nübel, seines Zeichens U21 – DFB Auswahl - Kister, das gleiche Malheur bei einem Distanzschuss des schwedischen Internationalen Forsberg. Die 96er schüttelten sich nach diesem Rückschlag nur kurz und wurden belohnt. Der aus einer geschlossenen Mannschaft doch etwas herausragende Lorenz, eine Vorbereitung, ein Tor, nimmt einen zu kurz abgewehrten Ball mit vollem Risiko und schweißt die Kugel aus etwa 20 Metern in den oberen Torwinkel am 1.Pfosten zum 2:2 ein (67.). Da wurden gleich auch prompt Erinnerungen an Sternstunden deutscher Fußballkommentare aus dem Schatzkästchen gekramt. Kultkommentator Werner Hansch musste mit seinem legendären „Ein geiles Tor!“ herhalten, als ein identischer Knaller von Mike Büskens aus den 1980gern im Spiel Nürnberg – Schalke gewürdigt werden musste. Die Luft anhalten mussten die Blau – Roten wenige Minuten nach dem Ausgleich. Nach einem Konter über die Linke Seite erhält Seidemann einigermaßen frei im 16er das Spielgerät, schließt aber zum Glück für den VfL zu überhastet und ungenau ab, so das der Ball über das Tor der 96er strich (72.). Danach pegelte sich das Spiel immer mehr auf Remis ein, bis dann die Spielminute 90.+4 kam… .

Was dem geneigten Kenner der VfL96 – Materie auffiel, war die doch recht überraschende Anfangsformation mit einigen personellen Änderungen. Darauf nach Spielende angesprochen meinte Cheftrainer Rene Behring: „Wir haben aktuell einen Kader wo jeder unter den ersten 11 sein kann, ohne das es zu Leistungsabfällen kommt. Endlich haben wir damit auch einmal ein Luxusproblem, kann man doch die Belastung der Spieler besser steuern, da wo es nötig ist eine Pause verordnen.“

Der VfL spielte mit: Waite, Englich, Dabel (59. Eder), Böhne, König, Aljindo (67. Schunke), Zimmer, Klitscher, Lorenz, Tsipi, Schlüchtermann (55. Jaskola)