Zu Tisch... mit Max & Konstantin Drucken
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Geschrieben von: Sven Schlüchtermann   
Mittwoch, den 13. November 2019 um 08:19 Uhr

Zu unserem heutigen Mittwochsinterview blicken wir eine Woche zurück - auf den vergangenen Mittwochabend. Nach einer anstrengenden Trainingseinheit gibt es Nudeln mit Tomatensoße, im Hintergrund läuft die Konferenz der Champions League. Sven Schlüchtermann ist für vflhalle96.de zu Gast in der Wohngemeinschaft von Max Stamer und Konstantin Eder im Paulusviertel. Im Interview erzählen die Beiden von ihrer fußballerischen Ausbildung, dem WG-Leben und Auslandsaufenthalten.

Ihr beiden spielt zusammen Fußball und wohnt zusammen.  Geht man sich da nicht manchmal auf die Nerven?

Konstantin Eder: Ne, eigentlich kommen wir ganz gut miteinander aus (lacht).

Max Stamer: Überraschenderweise nicht. Wir sind beide ziemlich unkompliziert und eher harmoniebedürftig. Bis jetzt läuft das echt super.

Hier hängen Fotos von eurer Jugendfußballzeit an der Wand. Wo habt ihr das Fußballspielen gelernt?

Konstantin: Bis zur D-Jugend habe ich beim VfB Zittau gespielt. Aber schon seit der F-Jugend hat Dynamo Dresden immer mal wieder signalisiert, dass der Verein Interesse daran hätte, mich bei ihnen zu haben. Aber der Weg war mir zu weit und auf ein Internatsaufenthalt hatte ich auch keine große Lust. In der D-Jugend haben sie es dann allerdings geschafft, mich zu überzeugen und ich bin dann doch zu Dynamo gegangen. Dort habe ich vorerst nur ein Jahr spielen können, weil ich dann Morbus Osgood-Schlatter (Anm. d. Red. Reizung der Patellasehne am vorderen Schienbein) bekam. Deshalb ging es erstmal mit dem leistungsorientierten Fußball nicht weiter und ich bin wieder zum VfB Zittau zurückgewechselt. Später ist Dynamo aber erneut auf mich zugekommen und ich bin wieder zurück nach Dresden, diesmal spielte ich in der B-Jugend-Bundesliga und wohnte im Internat. In der A-Jugend-Bundesliga hat mich dann ein Kreuzbandriss erneut zurückgeworfen. Ich habe danach dann noch ein Jahr A-Jugend-Regionalliga gespielt, bevor es schließlich zum VfL Halle ging.

Max: Ich komme aus Salzgitter und hab dort meine ersten Jugendjahre bei Borussia Salzgitter gespielt und hatte dort meinen Vater als Trainer. Ich wurde dann irgendwann zum Stützpunkttraining eingeladen, bei dem Eintracht Braunschweig auf mich aufmerksam wurde. In der D-Jugend bin ich dann auch dorthin gewechselt. In Braunschweig durchlief ich anschließend alle Jugendmannschaften. In der B-Jugend-Bundesliga sind wir dann sogar zweimal aufeinandergetroffen. Da kannten wir uns allerdings noch nicht.

Wer hat gewonnen?

Max: Das Hinspiel in Dresden haben wir gewonnen, das Rückspiel ging unentschieden aus.
Konstantin: Ja, da habe ich sogar ein Tor gemacht
Max:  Aber ich stand da nicht im Tor, leider.

Und dann kam der Schritt vom Jugend- in den Herrenbereich?

Max: Ich bin dann nach dem Abitur erstmal in die USA, weil ich noch nicht anfangen wollte zu studieren und auch gerne mal ins Ausland wollte. Der College-Sport hat sich dann bestens dafür angeboten, damit ich keine größere Pause vom Fußball hatte.

Wo ging es genau hin?

Max: An die William Penn University in Oskaloosa, Iowa. Dort habe ich dann ein halbes Jahr studiert und Fußball gespielt. Als ich zurück kam, bin ich nochmal ein halbes Jahr für Salzgitter aufgelaufen, bevor ich zum Studieren nach Halle gezogen bin und beim VfL Halle 96 angefangen habe. Dort haben wir uns dann auch kennengelernt.


Wie war es bei dir, Konstantin?

Konstantin: Ich wollte anfangen zu studieren und gleichzeitig im oberen Amateurbereich Fußballspielen. Dafür hat sich Halle perfekt angeboten. Beim VfL hat man verstärkt auf junge Spieler gesetzt und ich habe auch direkt viel Spielzeit in meiner ersten Saison bekommen (Anm. d. Red.  Konstantin kam in der Saison 2016/17 auf 27 Einsätze und erzielte zwei Tore für den VfL), auch wenn diese Saison für uns als Mannschaft alles andere als gut lief. Danach bin ich dann auch in die USA.

Auch nach Iowa?

Konstantin: Nein, für mich ging es für ein Jahr nach Dayton, Ohio, an die Wright State University.

Der Sport in den USA ist anders organisiert als in Europa. Was sind die größten Unterschiede?

Konstantin: Es gibt in den USA kein offenes Ligensystem, wie wir es von hier kennen. Die Ausbildung orientiert sich aber dennoch stark an der europäischen. Es werden viele Stipendien an ausländische Studenten vergeben, um den Fußball weiter zu entwickeln. Genau davon haben wir beide auch profitiert und wir konnten dort, dank eines Stipendiums, für unser College spielen.

Max: Genau. Der College-Fußball ist nach der Größe der Unis in Verbänden organisiert. Es gibt für die größeren Unis die NCAA, in der Konnys College gespielt hat. Meine Uni war eher kleiner, etwas ländlicher und christlich geprägt. Deshalb haben wir unter einem anderen Verband gespielt.

Gab es Unterschiede zum Fußball, den ihr aus Deutschland kanntet?

Konstantin: Es wurde größeren Wert auf den physischen Anteil gelegt, es gab viele Lauf- und Krafteinheiten. Wir haben zweimal am Tag trainiert. Es gab Ausdauerläufe um 6 Uhr morgens, dann hatte man Unterricht und danach ging es dann nochmal auf den Trainingsplatz. Hinzu kamen zwei Spiele in der Woche - insgesamt war das alles schon sehr intensiv.

Was habt ihr aus der Zeit im Ausland mitgenommen?

Max: Als erstes natürlich die erworbenen Sprachkenntnisse. Ich bin zum ersten Mal so richtig alleine weggewesen und musste mich in einem komplett neuen Umfeld alleine zurechtfinden. Diese Erfahrungen haben mir in meiner persönlichen Entwicklung schon sehr geholfen.

Konstantin: Genau. Richtig Englisch zu lernen, ein anderes Bildungs- und Fußballsystem kennenzulernen, neue Trainer zu haben, all das hat mir schon viel gebracht. Und im Lebenslauf macht es sich auch nicht schlecht, wenn man mal über einen längeren Zeitraum im Ausland war.

Wie ging es dann mit dem Studium und Fußball in Halle weiter?

Max: Ich studiere jetzt Sport und Geschichte auf Lehramt, hier an der Universität in Halle. In der Saison 2018/19 bin ich dann zu Askania Bernburg gewechselt. Ich hatte gute Gespräche mit den Verantwortlichen dort und das Gefühl, mich sportlich noch einmal weiter entwickeln zu können. Im Nachhinein lief es nicht ganz so, wie ich es mir vorgestellt habe, weshalb ich dann diese Saison auch wieder zurückgekommen bin. Hinzu kamen die weiten Wege nach Bernburg zum Training. Beim VfL fühle ich mich, allein wegen des Vereinsumfeldes und der Fans, richtig wohl.

Konstantin: Ich studiere Wirtschaftswissenschaften und Sportwissenschaften im Bachelor. Ich bin dann, als ich zurück kam, direkt wieder beim VfL Halle eingestiegen. Die Mannschaft kannte ich ja schon und ich habe mich sofort wieder wohl gefühlt.

Und der Oberligafußball beim VfL Halle 96 und das Studium lassen sich gut miteinander vereinbaren oder muss man auf Vieles verzichten?

Konstantin: Das passt schon sehr gut. Die Trainingsbelastung ist nicht so hoch, dass darunter das Studium leidet.

Max: Bei mir klappt das auch sehr gut. Wir bekommen ja auch beim Fußball eine kleine Aufwandsentschädigung. Mit seinem Hobby, etwas Geld zu verdienen ist schon sehr wertvoll. Wenn ich jetzt noch, neben Fußball und Uni, in der Kneipe oder so arbeiten müsste, dann wäre das allerdings schon etwas anderes. Man kann das studentische Leben dann samstags nach einem Spiel auch schon mal genießen.

Eine letzte Frage an dich Konstantin: Letzte Saison hat es zu keinem Saisontreffer für dich gereicht, jetzt hast du nach 11 Spieltagen schon drei. Was hat sich in deinem Spiel geändert?

Konstantin: Ich denke, dass ich mutiger geworden bin. Ich habe mir nach der letzten Saison ohne Torerfolg schon viele Gedanken gemacht. Für die diesjährige Saison habe ich mir dann konkrete Ziele gesetzt und eins davon war ganz klar, mehr Tore zu schießen. Bis jetzt hat das auch ganz gut geklappt und so soll es auch weiter gehen.


Dann wünsche ich dir, Konstantin, noch viele weitere Saisontore und dir, Max, natürlich möglichst wenig Gegentore.